Wie ich zur Moderation kam
Eine Geschichte über glückliche Zufälle und ungeahnte Chancen
In diesem Beitrag geht es um meinen ganz persönlichen Weg zur Moderation.
Denn eigentlich komme ich aus einem ganz anderen Karrierezweig.
Manchmal sind es eben doch die kleinen Zufälle, die einem ganz neue Türen öffnen.
Januar 2026 | Lesezeit: 7 Minuten
Vielleicht hast du schon einmal den Film „The Butterfly Effect“ geschaut, oder du hast auf anderem Wege von dem gleichnamigen Begriff gehört. Ursprünglich stammt er aus der Meteorologie, wo US-Amerikaner Edward N. Lorenz in den 1960-er Jahren durch seine Forschungen zur Wettervorhersage erstmals den ‚Schmetterlingseffekt‘ erlebte und als solchen benannte. Seine Entdeckung bestand darin, dass bereits minimale Abweichungen von Dezimalzahlen zur Berechnung seiner computerbasierten Wettermodelle zu überraschend stark veränderten Ergebnissen führten – folglich war Lorenz‘ Frage, ob ein einfacher Flügelschlag des hübschen Insekts in Brasilien nicht unter Umständen einen ganzen Tornado in Texas auslösen könnte, eine logische Schlussfolgerung und Impuls für die Namensgebung seiner Theorie. Die Erkenntnis, dass kleineste Veränderungen eines komplexen Systems zu massiven Unterschieden in dessen späterer Entwicklung führen konnten, revolutionierte das Verständnis von dynamischen Systemen und bescherte Lorenz in den frühen 90-er Jahren den Kyoto-Preis. Bis heute gilt der ‚Schmetterlingseffekt‘, die Grundlage der heutigen Chaostheorie, als so bedeutend, dass er in der Physik, Biologie und Ökonomie Anwendung findet.
Was das Ganze mit mir und meinem Weg zur Moderation zu tun hat? Ich verspreche dir, es gibt einen Zusammenhang. Aber vorher noch ein paar Background-Infos, die in der Erzählung nicht ausgelassen werden wollen.
Inhaltsverzeichnis
Über Kindheitsträume und Schreibmaschinen
Wenn man mich als Kind gefragt hat, was ich einmal werden möchte, kam meine Antwort viele Jahre lang wie aus der Pistole geschossen: Journalistin, Redakteurin und Moderatorin. Jap, alles drei auf einmal. Am besten vor internationalen Kameras und gleichzeitig bei der Lokalpresse. In meinem Kopf lebte mietfrei die romantische Vorstellung, dass ich bei wichtigen Ereignissen ganz Karla-Kolumna-mäßig zur Stelle gebeten würde, um die Situation professionell einzuordnen – ganz egal, ob drei Straßen weiter oder am anderen Ende der Welt. Dabei trug ich in meiner Erinnerung fast immer einen knielangen, edlen dunkelbraunen Mantel und wallende, stets perfekt gestylte Haare.
Nicht wenige Abende habe ich als Grundschülerin vor der alten Schreibmaschine in der Ein-Raum-Wohnung meines Papas verbracht, meist auf der beigen IKEA-Couch und dem zugehörigen kleinen Holztisch, und reihenweise fiktive Zeitungsartikel in die Tasten gehackt. Ich habe mir Verkehrsunfälle ausgedacht oder Heldengeschichten über die lokale Feuerwehr, die mal wieder eine Katze vom Baum gerettet hat. Besonders im Kopf geblieben ist mir einer meiner Artikel zu einem Raubüberfall auf eine lokale Kleidungs-Boutique. Auf die Coverseite hatte ich mit roten Buntstiften in Übergröße das gestohlene paar Stilettos gemalt.
Mein erster geplanter Bühnenauftritt, oder auch: Mein größter Albtraum
Im Laufe meiner Jugend, das genaue Alter weiß ich nicht mehr, habe ich den großen Traum meiner Karla Kolumna Karriere dann verworfen, weil mich ein Familienmitglied darauf hinwies, dass ich mit diesen Ambitionen wohl kaum genug Geld zum Leben verdienen würde. Als pubertierende Teenagerin habe ich das direkt hingenommen und nie hinterfragt.
Als es Zeit wurde, mich ernsthaft mit meiner beruflichen Zukunft zu beschäftigen – also am Ende meiner Gymnasialzeit, mit gerade einmal 17 Jahren (!) – habe ich mich für ein Studium im International Hospitality Management in den kuscheligen Niederlanden eingeschrieben. Ich wollte, wie so viele in dem Alter, irgendwas mit Reisen und mit Sprachen und mit Menschen machen, und die Hotellerie schien mir der richtige Zugang zu genau diesem Leben zu sein. Meinen Wunsch, Zeitungsartikel zu schreiben und vor der Kamera zu moderieren, hatte ich bis dahin schon längst vergessen.
Nach dem Studium habe ich als Praktikantin beim GreenSign Institut bzw. damals noch bei der Schwesterfirma, den GreenLine Hotels begonnen. Im Frühjahr 2020 stand die jährliche ITB, die größte Tourismusmesse der Welt in Berlin an, und im Rahmen meines Praktikums sollte ich gemeinsam mit einer Kollegin eine Podiumsdiskussion zum Thema Nachhaltigkeit auf eben dieser Messe moderieren. Das wäre mein erster wirklicher Bühnenauftritt im Erwachsenenleben gewesen (zu Schulzeiten hatte ich als Saxophonistin in der schulischen Big Band schon das ein oder andere Eltern- oder Geschwisterteil bei unseren jährlichen Sommerkonzerten von der Bühne aus musikalisch vom Platz gefegt). Dementsprechend aufgeregt, nein regelrecht nervös, war ich vor diesem Moderations-Auftritt, der nur bedingt mein eigener Wunsch gewesen war. An diesem Punkt hätte vielleicht schon der erste alles verändernde Schmetterlings-Flügelschlag für mich stattfinden können, aber es kam anders.
Wochenlange schlaflose Nächte und verkrampfte ‚Proben‘ im Büro meiner alten Chefin wurden schlussendlich von der – für mich – erlösenden Nachricht beendet: Die ITB fällt zum ersten Mal in der Geschichte aus. Pandemiebedingt. Eine Vollkatastrophe für die Tourismusbranche und die deutsche Hauptstadt, und eine riesengroße Erleichterung für mich ganz persönlich. Ich musste vorerst nicht auf die Bühne, nicht so tun, als ob ich Moderatorin wäre und nicht durch irgendeine fachliche Diskussion führen, von der ich als Praktikantin eh keine Ahnung gehabt hätte.
Moderationsanfragen
Wie eine verspätete Bahnfahrt zu meinem persönlichen Butterfly-Effekt wurde
Rückblickend finde ich es verrückt und fast schon etwas schade, wie ängstlich ich mit 20 Jahren war, auf die Bühne zu gehen und vor Publikum zu sprechen. Aber das sollte sich schnell ändern, denn im Laufe meines Praktikums und meiner darauffolgenden Festanstellung bei GreenSign habe ich doch die ein oder anderen Berührungspunkte mit Vorträgen, Webinaren und kleineren Auftritten vor Publikum gehabt. Das gehörte schlicht zu meinem Aufgabenbereich, mein Team hat mir immer wieder neue Möglichkeiten gegeben und an mich geglaubt, und mit der Zeit hat sich dann doch auch Freude bei mir aufgetan, als Vortragende für anerkennendes Nicken und leuchtende Augen bei den Zuhörenden zu sorgen. Der Gedanke, als Moderatorin auf der Bühne zu stehen, war aber auch zu dieser Zeit noch relativ weit weg.
Springen wir in den Spätherbst 2022. So langsam nähern wir uns meinem ganz persönlichen Butterfly Effekt – vielleicht hast du ja schon eine Vorahnung. Alles begann an einem milden Novembertag bei Münster, wo ich zum wiederholten Male das Green Tourism Camp mit meinem Team austragen durfte, ein modernes Eventformat für Nachhaltigkeitsinteressierte aus dem Gastgewerbe und dem Tourismus. Neben der Koordination der Veranstaltung war es für dieses Mal so geplant, dass ich tatsächlich als Co-Moderatorin wirken durfte – das Camp war ein so sicherer und bekannter Rahmen für mich, dass ich mich dieser Challenge doch mal annehmen wollte. Immerhin sollte ich mir den Job mit der bisherigen Hauptmoderatorin teilen, ich wäre also zu keinem Zeitpunkt in der alleinigen Moderationsverantwortung gewesen und hätte sogar noch von ihr lernen und mir ihre Tricks abschauen können. Also alles entspannt und beste Voraussetzungen für meine erste Moderation vor zahlendem Publikum!
Dachte ich.
Und dachte mein Team und dachten auch die 120 Teilnehmenden.
Denn dann entschied sich an jenem Novembervormittag irgendein Schmetterling offenbar dafür, so kräftig mit den Flügeln zu schlagen, dass uns kurz vor Event-Beginn die Botschaft ereilte: ‚Die Züge machen mal wieder Murks, meine Co-Moderatorin schafft es nicht pünktlich zum Event. Wir sollten schonmal ohne sie starten.‘
Bedeutete: ICH sollte schonmal ohne sie starten. Als alleinige Moderatorin. Vor über hundert erwartungsvollen Augenpaaren und den neugierigen Blicken meines ganzen Teams samt Chefetage.
Der Moment, an dem das Moderationsfeuer in mir entfachte
Irgendwie hab ich es geschafft, mein Schicksal halbwegs gelassen zu akzeptieren und das Beste draus zu machen. In Windeseile überlegte ich mir eine neue, eigene Anmoderation und überarbeitete meine Notizkarten. Schade um die ganzen vergebenen gemeinsamen Absprachen und Planungen, aber nun gut. Hätte ja keiner ahnen können, dass die Bahn mal nicht pünktlich fährt.
Damit hatte ich also meine erste eigene größere Event-Moderation, eine gute Stunde lang alleine auf der Bühne, absolut ungeplant und doch unfassbar bereichernd. Denn das Absurde ist: Ich hatte wahnsinnig viel Spaß! Und der hat sich scheinbar auf die Teilnehmenden übertragen, denn die lieben Worte und positiven Komplimente zu meiner erfrischenden, humorvollen und angenehmen Moderation haben mich in der ersten Kaffeepause quasi überrollt. Fast so wie ein Tornado in Texas, der von einem Schmetterling in Brasilien losgestoßen wurde.
Ab diesem Moment war das Moderations-Feuer in mir entfacht. Ich hatte meinen ersten Auftritt mit Bravour gemeistert, und es hat gar nicht weh getan. Im Gegenteil!
Heute bin ich dankbar, dass in diesem November mal wieder irgendeine Weiche gesperrt war, die mich überraschend, ungeplant und unverhofft zu meiner ersten eigenen Moderation gebracht hat. Ein kleines Ereignis, das sich am anderen Ende des Landes abspielte, hat schlussendlich zu einem solchen Schlüsselmoment in meiner beginnenden Moderationskarriere geführt. Diese Erfahrung hat mir damals einen derartigen Push gegeben, der eine neue Leidenschaft geweckt hat: Ich möchte mehr moderieren! Und noch besser darin werden! Kann man das sogar irgendwann mal hauptberuflich angehen…?
Heute bin ich selbstständige Moderatorin und Coachin mit Nachhaltigkeitsfokus und kann mir nichts Schöneres vorstellen, als vor einem richtig großen Publikum spannende Diskussionsrunden zu moderieren, das ganze Event über für gute Stimmung zu sorgen und fantastische Speaker und Speakerinnen im besten Licht erstrahlen zu lassen. Ich liebe es, mehr über das Handwerk der Moderation zu erlernen und das Gelernte direkt anzuwenden. Die Reaktionen aus dem Publikum, die lachenden, nachdenklichen, neugierigen, konzentrierten, inspirierten Gesichter von der Bühne aus zu sehen und mit meinen Worten positiv beeinflussen zu dürfen – all das gibt mir Kraft und bereitet mir unfassbar viel Freude.
Manchmal bekommen die vergessen geglaubten Kindheitsträume also doch noch einmal eine ganz neue Chance, oft auf Umwegen, meist überraschend oder unerwartet, aber immer gilt: Chancen sind Chancen.
Und meine habe ich ergriffen.
Hi und schön, dass du hier bist!
Ich bin Darlene, Event-Moderatorin im Bereich Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Zukunft. Von Fachkongress bis Barcamp führe ich mit viel Energie und Leidenschaft durch das Programm und nehme das Publikum auch bei komplexen Themen mit.
Authentisch, mitreißend, charmant und souverän.
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